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Kleine Zeitungsschau VII

2. Juni 2012

 

Fukushima ist doch immer noch für eine Schlagzeile gut, auch nach über einem Jahr. Jetzt heißt es verschiedentlich: »Verstrahlter Thunfisch aufgetaucht«. Natürlich ist der Thunfisch radioaktiv, aber das ist eine Schaufel Gartenerde auch. Wenn man sich nämlich einmal die Zahlen ansieht und einen Taschenrechner zur Hand nimmt, stellt man fest: Man müßte täglich 20 kg von diesem »verstrahlten« Thunfisch essen, also über sieben Tonnen im Jahr, um auch nur auf die Strahlungswerte zu kommen, die der durchschnittliche Deutsche durch natürliche Umgebungsradioaktivität aufnimmt. Und diese ist bekanntermaßen völlig ungefährlich. Im Schwarzwald und im Erzgebirge ist die natürliche Strahlung um ein Vielfaches höher, da kann stellenweise schon mal das Äquivalent von fast zwei Zentnern »verstrahltem« Thunfisch täglich(!) erreicht werden. Stewardessen und sonstiges fliegendes Personal müßten sogar ca. 160 kg Thunfisch am Tag bzw. 58 Tonnen pro Jahr essen, um soviel Radioaktivität aufzunehmen, wie sie an ihrem Arbeitsplatz abbekommen. Guten Appetit. 

[Nachtrag: Wie die Tsunamitoten in unglaublicher Dreistigkeit zu Kernkraftopfern umgelogen werden, können Sie hier nachlesen.]

 

Citat des Tages LV

26. Mai 2012

 

Das allseits geforderte umfassende staatliche Betreuungsangebot entpuppt sich hinterrücks als Waffe gegen das Recht auf Erziehung, das das Grundgesetz »zuvörderst den Eltern« sichert. Dieses privilegierte Elternrecht endet nach dem Urteil des Bundesgerichtshofes nach drei Jahren. Anscheinend sind die Kinder nach dieser Sichtweise vom Staat den Eltern nur befristet ausgeliehen worden, und zwar solange sie sich gut führen. Das Kindergeld ist danach eine Art von Schadensersatz, den der Staat den Eltern gewährt.

 

Dr. Norbert Blüm, Bundesarbeitsminister a. D.

in: »Freiheit! Über die Enteignung der Kindheit und die Verstaatlichung der Familie«

 

 

 


 

 

 

»… denn sie lassen sich formen wie Wachs.«

3. Mai 2012

 

Die Diskussion um den Kindergartenzwang irrlichtert einmal wieder durch die deutschen Medien. Gerade vorgestern hat eine zweiundzwanzigjährige Mainzer Studentin die ZDF-Polit-Castingshow »Ich kann Kanzler« mit einem Programm gewonnen, das sie als Familienförderung verkaufen konnte, das tatsächlich aber ein neuerlicher Familienvernichtungskreuzzug wäre. Kernpunkte wären die Abschaffung des Kindergeldes, flächendeckende kostenlose Kinderbetreuung ab dem ersten Lebensjahr, die ab dem vierten Lebensjahr dann verpflichtend sein soll: Der Schulzwang glatt um zwei Jahre nach vorn verlegt. Eltern dürften also noch Kinder zeugen und mehr denn je dafür zahlen — das Kindergeld ist ja kein Geschenk, sondern nur eine teilweise Rückzahlung der größeren Steuerlast, die Familien tragen — könnten aber noch weniger als bisher Einfluß auf die Erziehung ihrer Kinder nehmen: Als »Bildungs-Chancengleichheit« verkaufte Gleichschaltung. Die Dame selbst ist übrigens ohne Vater großgeworden, und so war er auch in dieser Situation, da sie diesen gemeingefährlichen Unfug vor großem Publikum ausbreitete, nicht zur Stelle, um ihr kräftig die Ohren langzuziehen. Mit vier Jahren zwingend in den Kindergarten: Das entspräche genau den Verhältnissen in Nordkorea.

Prof. Dr. R. H. Edenharder · »Der Zehnte in der Bibel und in Freikirchen«

14. April 2012

Prof. Dr. Rudolf H. Edenharder
»Der Zehnte in der Bibel und in Freikirchen«
Dogma, Tabu und die Folgen

200 Seiten
Gloryworld-Medien Bruchsal, 2009
€ 12,00
ISBN  978-3936322415

 

Man kann das Thema »Zehnter« knapp im Stil einer Predigt abhandeln, so wie ich dies hier getan habe. Man kann aber auch ein umfangreiches Werk schreiben, das sämtliche Façetten beleuchtet, die Bibel und Kirchengeschichte dazu hergeben. Beides hat seine Berechtigung. Prof. Edenharder hat sich für die zweite der Möglichkeiten entschieden, und legt mit seinem Buch zum Zehnten ein umfassendes Lehrgebäude vor, das selbst dann noch spannend ist und wertvolle Ergänzungen zur Sache bietet, wenn man sich mit dem Thema schon näher auseinandergesetzt hat.

Ohnehin bekommt es geistlichen Themen in der Regel recht gut, wenn sie einmal nicht Theologen, sondern Naturwissenschaftlern in die Hände fallen: Die größere Distanz erlaubt einen Blick, der weniger durch die üblichen Vorurteile des Fachbereichs getrübt ist. Ein solcher Glücksfall ist das Buch »Der Zehnte in Bibel und Freikirchen« des Chemikers und Medizintheoretikers Rudolf Edenharder.

Das erfundene Volk

7. April 2012

 

»There is no such thing as a Palestinian people.« — »So etwas wie ein palästinensisches Volk gibt es nicht.« Diese Aussage von Golda Meïr, der israelischen Premierministerin von 1969 bis 1974, hat der mögliche republikanische Präsidentschaftskandidat Newt Gingrich in einem Interview mit dem Fernsehsender »Jewish Channel« gegen Ende letzten Jahres sinngemäß wiederholt. Er erinnerte daran, daß es nie in der Geschichte einen Staat Palästina gegeben habe, daß Judäa und Samaria bis ins frühe zwanzigste Jahrhundert hinein vom Osmanischen Reich verwaltet wurden, und daß die Menschen, die heute als »Palästinenser« bezeichnet werden, Araber und historisch ein Teil der arabischen Gemeinschaft sind. Er sprach von einem »erfundenen Volk«, womit er sich darauf bezieht, daß niemand je von »Palästinensern« gesprochen hat, bevor die Antisemiten Nasser und Arafat in den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts diesen Begriff zu Propagandazwecken aufgebracht haben. Obamas diplomatische Bemühungen im Nahen Osten bezeichnete Gingrich als realitätsfern: Diese »wären so, als ginge man mit einem kleinen Kind in den Zoo und erklärte ihm, der Löwe sei ein Kuschelhäschen.«

Sowohl Meïr als auch Gingrich sind für ihre Bemerkungen vom »erfundenen Volk« stark gescholten worden, dabei haben sie nur das wiederholt, was auch arabische Führer in unvorsichtigen Momenten sagen.

Dieser Hundt will deine Frau: Das Weib als Volkseigentum

5. April 2012

 

Dieter Hundt, Präsident der deutschen Arbeitgeberverbände, hat, wie DPA meldet, das von der Koalition geplante Betreuungsgeld als »unsinnig« und »grundverkehrt« bezeichnet. Worum geht es? Die Bundesegierung war so leichtsinnig, zu versprechen, bis August 2013 den Rechtsanspruch auf einen Kinderkrippenplatz für Kinder zwischen ein und drei Jahren durchzusetzen. Schaffen müssen die Plätze freilich die Kommunen, die sich dazu teilweise aber gar nicht in der Lage sehen. Um die Situation zu entlasten, will man nun Eltern, die ihr Kind nicht in einer Betreuungseinrichtung parken, einen geringen Teil des Geldes zukommen lassen, das ein Kindergarten- bzw. Krippenplatz verschlingen würde. Dieser wird monatlich mit jeweils etwa 1.000 € Steuergeld subventioniert, die Eltern sollen davon aber nur 100 bis 150 € bekommen. Dies ist im Koalitionsvertrag grundsätzlich festgelegt, offiziell freilich nicht aus Spargründen, sondern um der Wahlfreiheit der Eltern zwischen Eigen- und Fremdbetreuung nicht gar so deutlich im Wege zu stehen.

Citat des Tages LIII

28. März 2012

 

 

Das ist Demokratie: Wenn sich die Wahrheit nach der Mehrheit richtet.

 

 Dieter Nuhr, Kabarettist

 

 

(Man könnte anmerken: Theokratie wäre, wenn sich die Mehrheit nach der Wahrheit richtete.)

 

 

Henryk M. Broder · »Vergeßt Auschwitz!«

12. März 2012

 

Henryk M. Broder

»Vergeßt Auschwitz!«

Der deutsche Erinnerungswahn und die Endlösung der Israel-Frage

 

Gebunden, 176 Seiten, € 16,99

Albrecht Knaus Verlag

ISBN 978-3813504521

 

Gelegentlich fällt es nicht ganz leicht, Broder ernstzunehmen. Mit seinem Hang zur Kasperei leistet er sich mitunter Provokationen, die völlig unnötig scheinen. Und doch bringt er andererseits immer wieder wichtige und kluge Impulse in den öffentlichen Diskurs ein.

Kinder-Geburts-Tag

4. März 2012

 

Nachdem ich im Juni 2009 den gewaltsamen Tod des Abtreibungsarztes Tiller als »postnatale Spätabtreibung« bezeichnet hatte, gab es doch tatsächlich (wenn auch nur sehr vereinzelt) Leser, die das cynisch fanden. Dabei ist es zwar gesellschaftlich üblich, ein pränatales Umbringen als Abtreibung, ein postnatales hingegen als Mord zu bezeichnen, tatsächlich aber ist der Unterschied ein rein quantitativer, kein qualitativer: Tot ist tot, und der Zeitpunkt der Geburt als Stichtag für ein erlaubtes oder unerlaubtes Umbringen ist reine Willkür. Die wachstümliche Entwicklung des Menschen beginnt lange vor der Geburt und ist lange nach der Geburt noch nicht abgeschlossen.

Ausgerechnet radikale Abtreibungsbefürworter haben diese schlichte Tatsache nun ausdrücklich anerkannt, wenn auch unter umgekehrtem Vorzeichen: 

In einem Artikel für das »Journal für Medizinethik« stellen die Autoren Alberto Giubilini (Universität Mailand) und Francesca Minerva (Universität Melbourne) die Frage: »Nachgeburtliche Abtreibung: Warum sollte das Baby leben?«*. Darauf aufbauend, daß vorgeburtliche Abtreibung ja bereits weitgehend akzeptiert sei, leiten sie aus der Tatsache, daß es kein moralischer Unterschied ist, ein Kind vorgeburtlich oder nachgeburtlich zu töten, die Folgerung ab, daß es demnach in allen Fällen, wo Abtreibung akzeptiert sei, auch gestattet werden solle, Kleinkinder zu töten. Die Gründe, die für eine Abtreibung angeführt werden — Behinderungen des Kindes oder die persönlichen Gründe der Mutter — hätten sich mit der Geburt des Kindes schließlich nicht geändert. Die Autoren benennen eine Reihe von Gründen, die es einer Mutter unerträglich erscheinen lassen könnten, ihr Kind aufzuziehen — zum Beispiel, wenn sie ihren Partner verliert, nachdem sie von ihrer Schwangerschaft erfährt — und erklären:

Citat des Tages LI

1. März 2012

 

 

 

Die ganze Tragikomik der Emanzipation offenbart sich, wenn man sieht, was die emanzipierte Frau anstelle von Kindern so zur Welt bringt: vom Handyklingelton bis zur soziologischen Studie über das Nichtvorhandensein von Geschlechtsunterschieden. 

 

Michael Klonovsky

 

in: »Jede Seite ist die falsche« · Aphorismen und Ähnliches

 

 

 

 

 

 

 

Abb.: Nutzung mit freundlicher Genehmigung.

 

Rückblick 1. Lesertreffen

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