Sie befinden sich hierLehre, nebenbei bemerkt, Der Geier erinnert, übersehene Bibelstellen, »schwierige« Bibelstellen

Lehre, nebenbei bemerkt, Der Geier erinnert, übersehene Bibelstellen, »schwierige« Bibelstellen

warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/w0070ecf/geiernotizen/modules/taxonomy/taxonomy.pages.inc on line 34.

Der dritte Sargnagel

15. Juni 2012

 

Nachdem ich schon die Entkopplung von Leistung und Einkommen sowie hier und hier auch die Entkopplung von Sexualität und Reproduktion als Sargnägel der westlichen Civilisation bezeichnet hatte, ist mir letztens in einem lesenswerten Artikel der Süddeutschen ein weiterer untergekommen: Die Entkopplung von Risiko und Verantwortung. Heike Faller geht dort der Frage nach, wie es sein konnte, daß solch weittragende Entwicklungen wie die Etablierung der halbseidenen Finanzprodukte, die nach und nach das ganze internationale Geldsystem ins Wanken bringen, jahrelang weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit geblieben und selbst den meisten Fachjournalisten entgangen sind und schreibt dort:

Natürlich sind ABS [Asset Backed Securities] an sich nicht böse. Sie sind nur eine mathematisch-juristische Konstruktion, die es den Banken ermöglicht, Kredite zu vergeben, ohne dafür zu haften. Sie trennen den Schuldner vom Gläubiger, das Risiko von der Haftung, den Kredit von der Kreditwürdigkeit. Den kalifornischen Landarbeiter, dem eine Villa finanziert wurde, von dem Sachbearbeiter, der das verantwortete.

 

 

 


 

 

 

 

 

Dank und Grüße an alle Müller zum Deutschen Mühlentag 2012!

28. Mai 2012
  

  

5. Mose 24, 6:

Nicht pfände einer ein Mühlsteinpaar oder ein Mahlgerät, denn die Seele würde er pfänden!  

 

 

  

Mt. 24, 41f:

Es werden zwei mit dem Mühlstein mahlen: Eine wird beiseitegenommen, und eine wird dagelassen. Wachet daher, da ihr nicht gewahret, in was für einem Tag euer Herr kommt.

 

 

Umbringen, um zu beleben

19. Mai 2012 

Im März hatte ich bereits den Unterschied zwischen γραφη (Geschriebene[s]) und γράμμα (Schrift) erwähnt und in diesem Zusammenhang auch 2. Kor. 3, 6 angeführt:

»Er macht uns auch tauglich zu Dienern des neuen Bundes, nicht der Schrift, sondern des Geistes; denn die Schrift bringt um, aber der Geist macht leben.«

Dieser Satz lädt freilich zu verschiedenen Mißverständnissen ein, die tatsächlich auch typischer und fester Bestandteil christlicher Theologie und Verkündigung geworden sind.

Das erstes Mißverständnis besagt: Die Schrift sei schlecht*. Dies ist nicht so. Die Schrift (γράμμα) ist die notwendige äußere Form des Geschriebenen (γραφη); sie ist nötig, um Gottes Wort über die Jahrhunderte hin zu bewahren und hat damit einen festen Platz im Wirken Jahwehs mit den Menschen. Aber kann etwas gut sein, das uns tötet?

Rindfleischtheologie

12. Mai 2012

 

Man soll ja von einem Ochsen nicht mehr als Rindfleisch erwarten. Und man soll von einer Landeskirche nicht mehr als … nun ja, ich will nun nicht zu solch starken Worten wie »Bullshit« greifen, auch wenn ich mit Paulos ein honoriges Vorbild für solche Wortwahl geltend machen könnte … aber doch scheint es wohl vermessen, kirchlicherseits die geistlich saubere Beurteilung eines alltäglichen Sachverhaltes zu erwarten, und wenn es auch nur ein ganz kleiner, provinzieller, unbedeutender wäre; von einer Landeskirche wie der sächsischen zumal, die sich gerade für den bahnbrechenden, kirchenspaltungsabwendenden und versöhnungsstiftenden Kompromiß gefeiert hat, daß künftig zwar PfarrerInnen mit ihren homosexuellen GespielInnen die PfarrhäuserInnen bevölkern dürfen, aber zum Ausgleich beschlossen wurde, daß Ehe und Familie ja irgendwie auch ganz nett sind und nach wie vor eine gewisse (ja sogar biblische!) Berechtigung hätten. Ich soll mich nicht so aufregen? Der Blutdruck? Paßt schon; der meine ist von Natur aus so niedrig, daß ein moderater Anstieg nicht viel Schaden macht.

Schrift und Geschriebenes

24. März 2012

 

Als amerikanische Soldaten in Afghanistan im Februar in einem Gefängnis beschlagnahmtes Material verbrannten, waren auch Quran-Exemplare unter diese Papiere geraten. Das hätte ja schon gehörig Ärger gegeben, wenn es in Deutschland passiert wäre: Papier verbrennen unter freiem Himmel, Rauch produzieren und Feinstaub, ohne die vorgeschriebenen Filteranlagen, mit denen eine deutsche Müllverbrennungsanlage ausgerüstet zu sein hat, verstößt erstens gegen das Bundes-Emissionsschutz-Gesetz, zweitens ist es Frevel gegen die staatlich verordnete Klima-Religion. Da hätte man sich schnell eine Ordnungsstrafe eingehandelt. In Afghanistan wird das aber noch einmal ganz anders bewertet: Als einige Afghanen die Quranschändung bemerkten, machten sie dies publik, und das Land wurde von einer blutigen Protestwelle erfaßt, der bisher schon über dreißig Menschen zum Opfer fielen.

Der Amoklauf eines Soldaten kurz darauf im März, bei dem sechzehn oder siebzehn Afghanen ums Leben kamen, unter ihnen viele Kinder, hat zwar auch zu Protesten geführt, aber diese scheinen nicht annähernd so heftig ausgefallen zu sein. Zählen Menschenleben in Afghanistan also weniger als bedrucktes Papier? Nun gibt es keine Maßeinheit für Empörung, und auch die Zahl der Toten im Gefolge der Proteste ist kein Indikator im mathematisch exakten Sinne. So scheint es einerseits zwar offensichtlich, daß ein verbrannter Quran die afghanischen Gemüter stärker erhitzt als ein erschossenes Kind, nachzuweisen ist es indes nur schwer.

Über Bezahlonkels und den Kern des Evangeliums

18. März 2012

 

Letzte Woche habe ich in der Zeitung gelesen: Über 8 Millionen Philippinos arbeiten im Ausland und versuchen auf diese Weise, sich oder ihre Familien durchzubringen. Es gibt auf den Inseln einfach nicht genug Arbeit für alle. Häufig sind es Familienväter, die im Ausland arbeiten und Geld nach Hause schicken. Da kann es schon einmal vorkommen, daß es Ärger gibt, wenn sie heimkommen: Streit um die Erziehung der Kinder zum Beispiel, die sie sich ganz anders vorgestellt hatten. Durch die Ferne sind sie zu Bezahlonkeln geworden, deren Geld gern genommen, denen aber kein wirklicher Einfluß zugestanden wird. Nun ist dieses Familienmodell buchstäblich aus der Not geboren und nicht ideal; freilich gibt es auch hier in Deutschland ein großes Heer von Bezahlonkeln. Zumeist hat es diese zwar nicht durch wirtschaftliche Not ins Ausland verschlagen, sondern sie wurden aus ihren Familien herausgedrängt und von Familienrichtern dazu verurteilt, für den Unterhalt ihrer Familie zu zahlen, ohne aber deren Geschicke wirklich steuern zu dürfen.

All das hat mich zu dem Gedanken veranlaßt, daß auch viele Christen Gott so behandeln: Wie einen fernen Vater, ja einen Onkel in Übersee, der dafür verantwortlich ist, unsere Rechnungen zu begleichen, uns aber ansonsten möglichst nicht dazwischenreden möge.

»Mit Gottvertrauen Bildung bauen«

9. März 2012

 

Der sehenswerte Film über Familie Dudek, den ich letztens als »Link des Tages« vorgestellt hatte, kann jetzt hier als DVD bestellt werden.

 

 

 

Deborah und Pilatus

27. Februar 2012

Deborah wird in der heutigen Mainstream-Theologie häufig als Vorbild für geistliche Frauen bezeichnet, und wir wollen kurz der Frage nachspüren, ob sie dies wirklich sein kann.
Typischerweise wird argumentiert, daß es damals einen Mangel an Männern gegeben habe, die bereit gewesen wären, die Verantwortung für das Volk zu tragen, weswegen Gott dann Deborah berufen habe. Analog dazu wird heute ein ähnlicher Zustand diagnostiziert, weswegen Gott eben auch heute Frauen in Verantwortungen berufen müsse, von denen wir eigentlich aus der Schrift genau wissen, daß er sie Männern vorbehalten hat. Es wird also ein »überbiblischer Notstand« konstruiert, eine ganz besondere Notsituation, in der nicht mehr gelte, was geschrieben steht: Die starken Frauen müßten nun den Mangel der schwachen Männer ausgleichen.
Aber taugt Deborah wirklich als Vorbild dafür, daß im Neuen Bund Männer von Frauen belehrt, korrigiert, beurteilt und geleitet werden sollten?

Zur Stützung dieser These wird Richter 5, 7 angeführt, wie hier von Schlachter übersetzt:
»Es fehlten Führer in Israel, sie fehlten, bis ich, Deborah, aufstand.«

Die Russen kommen! Über Alexander Dubček und Jüngerschaft

19. Februar 2012

 

Es begab sich aber, daß ich heute vormittag eine Predigt gehört habe. Ein junger Mann hat sich ehrlich gemüht, innerhalb eines (frei)kirchlichen Rahmens so etwas wie Jüngerschaft publik zu machen, unter anderem mit Hilfe des folgenden Films (der — von den wirklich grusligen Heiligenbildern am Schluß abgesehen — in seiner Aussage gar nicht so verkehrt ist*):

 

 

Er hatte wohl verstanden, daß das kirchliche System, in dem er zu Hause ist, nicht so richtig fruchtbar ist, und dachte nun, man könne das jüngerschaftlich ein bißchen aufpeppen. Was er offensichtlich nicht weiß: Kirche kann man nicht mit Jüngerschaft ergänzen, das Prinzip einer klerikal verfaßten Kirche ist mit Jüngerschaft inkompatibel, da Kirche ja gerade das Produkt des religiösen Fleisches ist, welches die jüngerschaftliche Dynamik der ersten Christen erstickt hat. Beide Prinzipien sind buchstäblich wie Feuer und Wasser. Das faulige Wasser des Klerikalismus hat das Feuer der Jüngerschaft zum erlöschen gebracht, und da kann man nun einmal ganz schlecht nachträglich hergehen, sich darüber beschweren, daß das Wasser nicht so richtig wärmen will und versuchen, diesen kirchlichen Löschteich mit ein paar dekorativen Flammen zu garnieren. Da könnte man auch gleich einen Tauchsieder ins Meer halten: Bringt nichts, da muß man kein Prophet sein, um das zu wissen.

Über Recht und Unrecht

11. Februar 2012

 

Am Donnerstag wurde Axel Hüls zu einem Jahr und sechs Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Ein Leser der Geiernotizen hat die Verhandlung in Lüneburg verfolgt. Es ist grundsätzlich anzuerkennen, daß Axel Hüls vom Gericht im Rahmen des Möglichen fair behandelt wurde. Im Rahmen des Möglichen heißt hier: Ein Richter kann natürlich nicht gemäß Bibel rechtsprechen, sondern nur nach den Gesetzen der Bundesrepublik. So wurde die gemeinsame Flucht von Axel, Jonas, Benjamin, Miriam und Lisa Hüls als »Kindesentziehung« verurteilt, die Tatsache, daß der Vater hierzu Dokumente der Kinder an sich nehmen mußte, als »Einbruchsdiebstahl«. Aber Richter Thomas Wolter hat sich gemüht, auch die geistlichen Beweggründe, die Hüls für sein Handeln vorgebracht hat, anzuhören, zu erörtern und zu gewichten. Die Zwangslage, in der er sich befunden hat — innerhalb des civilrechtlichen Rahmens hatte er keine Möglichkeit mehr, in angemessener Weise für seine Kinder zu sorgen — wurde bei der Bemessung des Strafmaßes eingerechnet, das jetzt immerhin ein Jahr weniger beträgt, als von der Staatsanwaltschaft gefordert. Der theoretisch mögliche Strafrahmen reichte von der Verhängung einer Bewährungsstrafe bis hin zu einer Haftstrafe von mehr als zehn Jahren. Katja Hüls hatte als Nebenklägerin gegen ihren eigenen Mann darauf gedrängt, daß dieser nicht mit einer Bewährungsstrafe davonkomme. Den vorangegangenen penetranten Bemühungen von Frau Hüls und dem mit ihr verbündeten Pfarrer Heine, Axel Hüls zu pathologisieren, indem sie wiederholt Zweifel an seiner geistigen Gesundheit streuten, wurde vor Gericht eine Absage erteilt: Er mag eigenwillig sein, aber ein Psychopath, so hat der Gutachter festgestellt, ist er jedenfalls nicht.

Das Dilemma der Rechtsprechung besteht hier darin, daß die Gesetzeslage ein gerechtes Urteil nicht erlaubte. Ich will etwas weiter ausholen, um dies zu erklären:

Rückblick 1. Lesertreffen

Beliebte Inhalte



CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck, zu testen, ob man ein menschlicher Benutzer ist und um automatisiertem Spam vorzubeugen.
Bild-CAPTCHA
Bitte die im Bild dargestellten Buchstaben (ohne Leerzeichen) eingeben.

Geierpost buchen

Inhalt abgleichen