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Problem wegübersetzt


By Geier - Posted on 15 August 2010

15. August 2010

 

 

 

 

 

 

 

 


»Denn nicht sind wir wie die vielen, die das Wort des Gottes verschachern …«

2. Kor. 2, 17

Dieser Vers muß wohl für etliche wohlbestallte Theologen, die ihn übersetzt haben, eine unerträgliche Provokation dargestellt haben. So ist er denn in sehr vielen Übersetzungen sinnentstellend wiedergegeben worden. Die vielgelesenen Übersetzungen von Luther, Schlachter und die Alte Elberfelder schreiben hier statt »verschachern« einfach »verfälschen«. Auch die Zürcher schreibt »verfälscht darbieten«. Damit ist dem Text erst einmal die Spitze genommen: Zu denen, die das Wort nicht verfälschen, rechnet sich zumeist jeder selbst gern. Daß viele damit Handel treiben, ist aber so offensichtlich, daß es nicht so leicht geleugnet werden kann. Menge übersetzt etwas unscharf »mit dem Wort Gottes hausieren gehen«, was der Sache schon näherkommt, im Deutschen jedoch etwas mißverständlich ist, da bei »hausieren gehen« der Aspekt der Aufdringlichkeit herausgestellt wird, weniger der des Handeltreibens. Um genau diesen geht es aber bei dem hellenischen Grundtextwort καπηλεύω, das Krämerei und Schacher beschreibt.

Die Revision der Elberfelder hat dies auch richtiggestellt und übersetzt jetzt »Handel treiben«, sogar die Nacherzählungen »Hoffnung für alle« und »Living Bible« liegen hier tatsächlich einmal inhaltlich richtig, da die erste vom »Geschäftemachen« schreibt und die andere von »cheap-jacks« (Ramschhändlern), »deren Vorstellung vom Predigen des Evangeliums es sei, einen guten Lebensunterhalt herauszuholen«. Bruns übersetzt »viele machen aus Gottes Wort ein Geschäft« und die Rocovery Version ist hier zwar etwas umständlich, kriegt aber gerade noch die Kurve der Inhaltstreue, wenn sie vom »verfälschen des Wortes Gottes um des Profits willen« schreibt. Richtig liegt auch das plattdeutsche NT von Ernst Voß, der von den vielen schreibt, »dei mit Gotts Wurt ’n Geschäft maken willen« sowie die afrikaanse »Nuwe vertaling«, die »baie ander wat Geld maak uit die woord van God« übersetzt. Falsch liegt wieder das katholische Münchner NT mit »verfälschen« und eine Übersetzung der Russischen Bibelgesellschaft, die mit »повреждать« »beschädigen« überträgt und damit in etwa auf der Linie der Authorized Version liegt, die mit »corrupt« »entstellen« meint.

Paradoxerweise haben nun gerade diejenigen, die καπηλεύω mit »verfälschen« wiedergegeben haben, genau das getan, wovor ihre Übertragung warnt: Sie haben das Wort Gottes an dieser Stelle verfälscht. Zwar ist eine Warnung vor dem Verfälschen des Wortes durchaus immer angebracht, aber in der angeführten Stelle geht es nun einmal darum, daß mit dem Wort kein Schacher getrieben werden soll, daß es nicht zur Grundlage des persönlichen Lebensunterhaltes gemacht werden darf. Hier geht es nicht in erster Linie um die Bibelverkäufer, auch wenn es — z. B. mit der Dabhar-Übersetzung — durchaus ein Beispiel gibt, daß es auch heute noch möglich ist, eine Bibel in bester Qualität anzubieten, ohne sie zu verkaufen. Das stellt freilich eine Herausforderung für Fortgeschrittene dar. Hauptsächlich sind hier aber jene angesprochen, die meinen, sie dürften die Verkündigung des Wortes Gottes als einen Beruf wie Versicherungsmakler oder Staubsaugerverkäufer betreiben.

 

 


Siehe zum Thema auch den Artikel »… bereits gefallen«.

 

 



Collage © Geier

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