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Kleine Zeitungsschau V


By Geier - Posted on 18 September 2011

18. September 2011

 

In Kalifornien hatte ein Hinterhof-Atheistenverein (ja, der Verein heißt buchstäblich Backyard Sceptics) für gestern geplant, Bibelverse zu zerreißen. Nun ja. Dafür sind es ja schließlich auch Atheisten. Man sollte von einem Vogelbeerbaum keine Pflaumen erwarten. Ich habe gar nicht weiterverfolgt, was aus der Sache geworden ist; durchaus mehr Kummer machen mir die Christen, die Bibelverse durch ihre Traditionen ungültig machen beziehungsweise das Wort Gottes lästern, ohne dabei auch nur das geringste Schuldbewußtsein zu haben. Überhaupt: Wenn ich mir die christliche Publizistik so ansehe, machen wir uns viel zu viele Gedanken über die Verfehlungen der Welt und viel zu wenig Gedanken über die Verfehlungen der Christen.


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Dazu paßt die Pressekonferenz, die Frau Hüls zum Wochenende gegeben hat, in der sie ausreichend Gelegenheit hatte, noch einmal mächtig auf die Tränendrüsen zu drücken und sich in ihrer ohnehin schon allgemein akzeptierten Opferrolle darzustellen. Ja, die arme Frau, die dafür gesorgt hat, daß ihr eigener Mann ins Gefängnis kommt, weil er nicht bereit war, das Wort Gottes zu mißachten, daß den Vätern — und nicht irgendjemandem sonst — gebietet, ihre Kinder zu erziehen (Eph. 6, 4)!

Jetzt jubelt das ganze fromme Volk, daß der Vater an die Behörden und die Kinder an die Mutter ausgeliefert sind. Nachdem Jesus unter tätiger Mithilfe von Judas an die Römer ausgeliefert war, haben die Religiösen schließlich auch gejubelt (Lk. 23, 20ff). Nichts neues unter der Sonne, soweit. Oder doch? Falls ich da nichts überlesen habe, ist jedenfalls nicht überliefert, daß Judas damals als Opfer bedauert worden ist. 


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Während in Deutschland also Väter, die sich unbedingt um ihre Kinder kümmern wollen, Gefahr laufen, weggesperrt zu werden, scheint man in Großbritannien langsam ein Bewußtsein dafür zu entwickeln, daß so eine vaterlose Gesellschaft durchaus auch ihre Verlierer hat. Premier Cameron wandte sich Mitte August in einer Rede nach den bürgerkriegsähnlichen Ausschreitungen in englischen Städten den richtigen Fragen in einer Deutlichkeit zu, die man einem europäischen Politiker des Jahres 2011 (wenn man jetzt einmal von Nigel Farage absieht) schon gar nicht mehr zugetraut hätte:

Familien sind wichtig. Ich habe keinen Zweifel, daß viele der Randalierer der letzten Woche zu Hause keinen Vater haben. Vielleicht kommen sie aus einem dieser Viertel, wo es Standard für die Kinder ist, eine Mutter zu haben, aber keinen Vater, wo es für junge Männer normal ist, ohne ein männliches Rollenbild aufzuwachsen, wo sie in den Straßen, die voller Raserei und Zorn sind, nach einer Vaterfigur suchen. Wenn wir also die geringste Hoffnung haben wollen, unsere zerbrochene Gesellschaft heilen zu können, müssen wir bei Familie und Elternschaft beginnen.

Die Mechanismen, auf die Cameron sich hier bezieht, sind schon 2008 von dem ehemaligen englischen Gefängnisarzt Anthony Daniels (alias Theodore Dalrymple) in einer Deutlichkeit beschrieben worden, die seinen Artikel »Kultur der Unterschicht: Die unerträgliche Leichtigkeit des Bösen« zu einem bedrückenden, aber unbedingt lesenswerten Zeitzeugnis macht.

Natürlich ist zu fragen, wie weit Camerons Erkenntnisse tatsächlich Eingang in die Praxis finden werden oder ob dies nur die Sonntagsrede eines Politikers gewesen ist. Aber immerhin ist es schon einmal wohltuend, wenn in einem Umfeld, wo die Sozialingenieure des politischen Establishments mit Feuereifer daran arbeiten, sämtliche Geschlechterunterschiede einzuebnen und geschlechterspezifische Rollenmodelle zu zerstören, denn doch noch solche grundrichtigen Sätze fallen. 


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Dazu paßt, daß in Frankreich zum neuen Schuljahr Schulbücher in Umlauf gekommen sind, die genau diese Zerstörungsarbeit leisten sollen, indem sie dummdreist behaupten: »Jeder lernt gemäß seines Umfelds, Mann oder Frau zu werden« … »Das biologische Geschlecht identifiziert uns als männlich oder weiblich, aber deshalb können wir uns noch lange nicht als Mann oder Frau qualifizieren.« Ferner wird von einer sexuellen Identität fabuliert, die sich ein Leben lang aus dem Zusammenspiel zwischen der Biologie und dem sozialen und kulturellen Kontext forme. Dies bedeutet in der Konsequenz, daß das menschliche Geschlecht fließend, variabel, innerhalb einer Biographie veränderbar wäre. Der Spiegel setzt der Absurdität die Krone auf, und kommentiert: »Nicht nur die Biologie bestimmt die sexuelle Identität, sondern auch Umwelt und Gesellschaft — so lautet eine altbekannte, gemeinhin akzeptierte Theorie« und überschriftelt: »Die Theorie gilt als schlüssig«. Aha.

Wie hatte ich vor einem knappen Jahr geschrieben:

»… männlich und weiblich erschuf er sie.« (1. M. 1, 27) — wer hätte vor zehn oder zwanzig Jahren gedacht, daß ausgerechnet so eine simple, selbstverständliche Aussage zu den am schärfsten umkämpften Frontabschnitten geistlicher Auseinandersetzungen werden könnte? 

 


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Dazu paßt, daß Australier jetzt wählen können, ob in ihrem Paß die Geschlechtsangabe »männlich«, »weiblich«, oder »sächlich« »unbestimmt« lauten soll. Senatorin Louise Pratt, deren Partnerin als Frau geboren wurde, aber jetzt als Mann lebt, sagte dazu, daß es eine wichtige Anerkennung eines Menschenrechtes sei, daß solche, die sich entschieden, ihr Geschlecht als »unbestimmt« zu bestimmen, dies jetzt auch tun könnten.

In Bangladesh hat ein Eunuchenverein durchgesetzt, daß auf Paßanträgen jetzt neben den Optionen »männlich« und »weiblich« eine Option »andere« existiert.


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Dazu paßt, daß die F.A.Z. in eine Meldung über das anstehende Gerichtsverfahren gegen einen Mann, der seine Töchter jahrelang mißbraucht und mit deren einer auch Kinder gezeugt haben soll, eben mal einen Satz einflicht, der da sagt, daß es »das Opfer gewohnt gewesen sei, daß der Vater die Entscheidungen in der Familie getroffen habe«. Da kriegen wir’s so en passant mal wieder eingetrichtert: Solche Patriarchen, die Entscheidungen in der Familie treffen, das sind die ganz, ganz schlimmen, aus denen sich die Kinderschänder rekrutieren. 


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Dazu paßt, daß das Bundesverfassungsgericht eine Vorlage des Landessozialgerichtes von Niedersachsen und Bremen als unzulässig verworfen hat, welche die Vätermonate des Elterngeldes in Frage gestellt hätte. Derzeit erhalten berufstätige Eltern nur dann das volle Elterngeld für 14 Monate, wenn auch Väter mindestens zwei Monate »in Elternzeit gehen«. Die Sozialrichter sahen die Möglichkeit, daß dieses Gesetz in verfassungsfeindlicher Weise in die Autonomie familiärer Entscheidungen eingriffe. Um die Vorlage abschmettern zu können, erfanden die Verfassungsrichter flugs einen »Verfassungsauftrag, überkommene Rollenverteilungen zu überwinden«. Dieser steht zwar nirgends im Grundgesetz, ergebe sich aber »anhand der bisherigen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts«. Darüber sollte man doch noch einen Moment nachdenken. Die Richter, die wir fürstlich entlohnen, damit sie Hüter des Grundgesetzes seien, schaffen stattdessen selbst Rechtswirklichkeiten und rüffeln untergeordnete Gerichte, die sich auf den tatsächlichen Text des Grundgesetzes berufen, daß diese  sich nicht ausreichend in jene neben dem Grundgesetz entstandene Rechtswirklichkeit eingearbeitet hätten.

Da wir in der Sache selbst von den ersten vierzehn Lebensmonaten des Kindes reden, kann man wohl allen jungen Vätern nur anraten, ihren Verfassungsauftrag ernstzunehmen, die überkommene Rollenverteilung an den Nagel zu hängen und endlich einmal stillen zu lernen. Gebt Euch Mühe. Das wird schon. Macht das wie die Mütter: Legt das Kind an die Brust und nehmt Euch nebenher etwas zu lesen: Deutsche Verfassungsgerichtslyrik etwa, oder französische Schulbuchprosa über das variable, sozial formbare Geschlecht. Wenn dann die Milch nicht einschießt, ist Euch wirklich nicht mehr zu helfen.


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Dazu paßt nun überhaupt nicht, daß man sich in der feministischen Wiener Zeitung »Das Wort der Frau« vom März 1931 doch tatsächlich noch über die Absicht des türkischen Staatsgründers Kemal Pascha (Atatürk) lustig machten konnte, die Wehrpflicht auf Frauen auszudehnen, um die staatsbürgerlichen Pflichten gleichberechtigt zu verteilen. Dieser hatte am 3. Februar 1931 vor Schulmädchen in Smyrna erklärt, es gebe keinen Grund, weshalb Frauen nicht Soldat werden sollten. Die Feministinnen schrieben dazu: »Aha! Da werden dann die türkischen Männer auch die Kinder gebären, damit alle die gleichen Pflichten haben«.

Die konnten darüber noch lachen. Die kannten ja das deutsche Bundesverfassungsgericht auch noch nicht. Sobald das mit dem Stillen klappt, ist das mit dem Gebären wahrscheinlich der nächste Punkt auf der Agenda des »Verfassungsauftrags, überkommene Rollenverteilungen zu überwinden«.

Übrigens: Die Türken hatten sich das damals dann doch noch einmal anders überlegt …

 

 

 

Rückblick 1. Lesertreffen

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