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Klerikalismus

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Kleine Zeitungsschau VIII

11. November 2012

 

Da reibt man sich doch verwundert die Augen: Es wird gemeldet, daß Frau Merkel dieser Tage eine Grundsatzrede vor dem EU-Parlament gehalten haben soll. Ja, wo bitte soll die Dame, die konsequente Inkonsequenz zu ihrem Markenzeichen und absolute Prinzipienlosigkeit zum obersten Prinzip ihres Machterhalts erwählt hat, denn auf einmal Grundsätze herhaben? 

 

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Obwohl Übergewicht eine mörderische Sache ist, an der Millionen vorzeitig sterben, kann es sich im Einzelfall durchaus auch lebensverlängernd auswirken: Ein Delinquent in Ohio kann derzeit nicht hingerichtet werden, weil er zu fett ist: Der Arzt kann in dem ganzen Glibber keine Vene für die Giftspritze finden. Die Welt ist voller bizarrer Paradoxien: Ausgerechnet ein früherer Selbstmordversuch des Mannes, der dazu geführt hat, daß seine Unterarme stark vernarbt sind, erschwert nun die Prozedur zusätzlich. Und: Trotz dieses Suizidversuches geht der verurteilte Mörder jetzt juristisch gegen seine geplante Hinrichtung vor.

  

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Zwischenruf

21. Oktober 2012

 

Ach, nööö, liebe EKD (Evangelische Kirche in Deutschland), heute hast Du also mal wieder einen bundesweiten »Männersonntag« celebriert. Ja, und? Hast Du was gemerkt? Ich war trotzdem nicht da. Und Du hast mich ja auch gar nicht vermißt, stimmt’s? Warum läßt du solche Sachen denn nicht einfach?

Was? Du willst, »daß Männer den Gottesdienst wieder entdecken«? Überleg doch mal. Was sollen die denn bitte in diesen Veranstaltungen, die Du als »Gottesdienst« bezeichnest, ganz so, als wäre Gottesdienst etwas, wo man hingehen könnte? Unterhaltung kann jedes drittklassige regionale TV-Programm besser als Du. Und mitspielen läßt Du die Männer bei Dir ja sowieso nicht so richtig, es sei denn, sie seien ordinierte Theologen. Was, bitteschön, sollen die also bei Dir?

Weißt Du was, liebe EKD? Männer sind Leben-zeugende. Wie sollen die denn bitte im Rahmen eines evangelischen Gottesdienstes (geistliches) Leben zeugen? Hast Du darüber überhaupt schon mal nachgedacht? Nein? Dachte ich mir.

Gib’s doch mal zu, Du kannst mit richtigen Männern ja auch überhaupt nichts anfangen. Die stören doch nur Deinen gut geölten Religionsbetrieb. Wenn sich mal doch einer zu Dir verläuft und auch nur ansatzweise männlich verhält wie z. B. Lutz Scheufler, kriegst Du doch sofort rote Flecken im Gesicht und denkst panisch darüber nach, wie Du ihn Dir unauffällig wieder vom Hals schaffen kannst. Ja, unauffällig natürlich. Denn ihn einfach so ’rauszuschmeißen bist Du selbst dann auch wieder nicht Manns genug.

Im Halbdunkel

6. Oktober 2012

 

Wer sich entschließt, in Hurerei zu leben, muß sich nicht wundern, wenn er hier und da den einen oder anderen Bankert* zeugt. Das ist bei der Buhlschaft von konstantinisch geprägtem »Christentum« und Staat nicht anders. Die Bastarde*, die aus dieser Verbindung hervorgegangen sind, heißen Kirchen. Gar zu gern berufen sie sich auf ihre geistlichen Gene, ihre stattlichen staatlichen Privilegien wollen sie aber auch um keinen Preis fahren lassen. Sie behaupten, das Reich Gottes zu repräsentieren, sind aber mit tausend Stricken an die Reiche dieser Welt gebunden. Für den Außenstehenden ist es dabei höchst erstaunlich, wie gemütlich man es sich doch einzurichten vermag, wenn man schon seit Jahrhunderten derart zwischen den Stühlen sitzt.

Zum »christlichen« Religionsunterricht an staatlichen Schulen hatte ich vor ein paar Jahren geschrieben:

Dabei ist es aus christlicher Sicht ein absurder, um nicht zu sagen ein obszöner Gedanke, die Vermittlung geistlicher Inhalte dem Staat zu überlassen, genauso obszön wie die Beitreibung von Kirchensteuern durch den Staat und andere vergleichbare Erscheinungen, etwa die universitäre Ausbildung der Theologen und deren Finanzierung. Eine Trennung von Staat und Kirche kennt Deutschland nicht. Daß der Staat sich dies gefallen läßt, ist erstaunlich; viel schlimmer ist, daß es keinen wahrnehmbaren christlichen Widerstand hiergegen gibt. Denn biblisch beurteilt kann man diese Verbindungen von Staat und Kirche nur als »geistliche Hurerei« bezeichnen.

Geierismen IX: Über Schafe und Wölfe

23. September 2012

 

 

 

»Habt keine Gemeinschaft mit den schwarzen Schafen und nehmt Euch in acht vor ihnen und ihrer Theologie!«

Also sprach zu den weißen Schafen — der Wolf.

 

 

 

 

Weitere Geierismen

 

Der Semmelweis-Reflex

13. September 2012

 

Mitte des 19. Jahrhunderts in Wien: In der geburtshilflichen Abteilung des Allgemeinen Krankenhauses sterben mehr als 17 Prozent der Gebärenden am Kindbettfieber. In anderen Kliniken kommen sogar Sterberaten bis zu 30 Prozent vor. Besonders auffällig ist, daß die Sterblichkeit dort, wo Ärzte und Medizinstudenten arbeiten, um ein vielfaches höher ist als dort, wo die Hebammenschülerinnen ausgebildet werden. Als schließlich sein Freund, der Pathologe Kolletschka, nach einer kleinen Verletzung bei einer Leichensektion an den gleichen Symptomen stirbt wie die Mütter, zählt der junge Arzt Ignaz Philipp Semmelweis eins und eins zusammen. Er kommt zu dem Schluß, daß die Mütter an Infektionen sterben, die von den Ärzten übertragen werden, die damals zwischen Pathologie und Kreißsaal wechselweise mit bloßen Händen Tote sezierten und Wöchnerinnen untersuchten. Dort, wo Semmelweis schließlich die Desinfektion der Hände mit Chlorkalk durchsetzen kann, gelingt es ihm, die Mortalitätsrate von 17 auf 1,3 Prozent zu drücken.

Rindfleischtheologie

12. Mai 2012

 

Man soll ja von einem Ochsen nicht mehr als Rindfleisch erwarten. Und man soll von einer Landeskirche nicht mehr als … nun ja, ich will nun nicht zu solch starken Worten wie »Bullshit« greifen, auch wenn ich mit Paulos ein honoriges Vorbild für solche Wortwahl geltend machen könnte … aber doch scheint es wohl vermessen, kirchlicherseits die geistlich saubere Beurteilung eines alltäglichen Sachverhaltes zu erwarten, und wenn es auch nur ein ganz kleiner, provinzieller, unbedeutender wäre; von einer Landeskirche wie der sächsischen zumal, die sich gerade für den bahnbrechenden, kirchenspaltungsabwendenden und versöhnungsstiftenden Kompromiß gefeiert hat, daß künftig zwar PfarrerInnen mit ihren homosexuellen GespielInnen die PfarrhäuserInnen bevölkern dürfen, aber zum Ausgleich beschlossen wurde, daß Ehe und Familie ja irgendwie auch ganz nett sind und nach wie vor eine gewisse (ja sogar biblische!) Berechtigung hätten. Ich soll mich nicht so aufregen? Der Blutdruck? Paßt schon; der meine ist von Natur aus so niedrig, daß ein moderater Anstieg nicht viel Schaden macht.

Prof. Dr. R. H. Edenharder · »Der Zehnte in der Bibel und in Freikirchen«

14. April 2012

Prof. Dr. Rudolf H. Edenharder
»Der Zehnte in der Bibel und in Freikirchen«
Dogma, Tabu und die Folgen

200 Seiten
Gloryworld-Medien Bruchsal, 2009
€ 12,00
ISBN  978-3936322415

 

Man kann das Thema »Zehnter« knapp im Stil einer Predigt abhandeln, so wie ich dies hier getan habe. Man kann aber auch ein umfangreiches Werk schreiben, das sämtliche Façetten beleuchtet, die Bibel und Kirchengeschichte dazu hergeben. Beides hat seine Berechtigung. Prof. Edenharder hat sich für die zweite der Möglichkeiten entschieden, und legt mit seinem Buch zum Zehnten ein umfassendes Lehrgebäude vor, das selbst dann noch spannend ist und wertvolle Ergänzungen zur Sache bietet, wenn man sich mit dem Thema schon näher auseinandergesetzt hat.

Ohnehin bekommt es geistlichen Themen in der Regel recht gut, wenn sie einmal nicht Theologen, sondern Naturwissenschaftlern in die Hände fallen: Die größere Distanz erlaubt einen Blick, der weniger durch die üblichen Vorurteile des Fachbereichs getrübt ist. Ein solcher Glücksfall ist das Buch »Der Zehnte in Bibel und Freikirchen« des Chemikers und Medizintheoretikers Rudolf Edenharder.

Die Russen kommen! Über Alexander Dubček und Jüngerschaft

19. Februar 2012

 

Es begab sich aber, daß ich heute vormittag eine Predigt gehört habe. Ein junger Mann hat sich ehrlich gemüht, innerhalb eines (frei)kirchlichen Rahmens so etwas wie Jüngerschaft publik zu machen, unter anderem mit Hilfe des folgenden Films (der — von den wirklich grusligen Heiligenbildern am Schluß abgesehen — in seiner Aussage gar nicht so verkehrt ist*):

 

 

Er hatte wohl verstanden, daß das kirchliche System, in dem er zu Hause ist, nicht so richtig fruchtbar ist, und dachte nun, man könne das jüngerschaftlich ein bißchen aufpeppen. Was er offensichtlich nicht weiß: Kirche kann man nicht mit Jüngerschaft ergänzen, das Prinzip einer klerikal verfaßten Kirche ist mit Jüngerschaft inkompatibel, da Kirche ja gerade das Produkt des religiösen Fleisches ist, welches die jüngerschaftliche Dynamik der ersten Christen erstickt hat. Beide Prinzipien sind buchstäblich wie Feuer und Wasser. Das faulige Wasser des Klerikalismus hat das Feuer der Jüngerschaft zum erlöschen gebracht, und da kann man nun einmal ganz schlecht nachträglich hergehen, sich darüber beschweren, daß das Wasser nicht so richtig wärmen will und versuchen, diesen kirchlichen Löschteich mit ein paar dekorativen Flammen zu garnieren. Da könnte man auch gleich einen Tauchsieder ins Meer halten: Bringt nichts, da muß man kein Prophet sein, um das zu wissen.

Citat des Tages XLVIII

28. Januar 2012

 

Von Nichts kann man nicht leben. Das hört man so oft, besonders von Pastoren. Und gerade die Pastoren bringen folgendes Kunststück fertig: Das Christentum ist gar nicht da — dennoch leben sie davon.

 

Sören Kierkegaard

 

 

 

Abb. gemeinfrei

 

 

 

 

 

Von Radikalen, Rechtsanwälten und Distanzierern: Ein Nachtrag

3. Januar 2012

 

Das lateinische Wort »Radix« bezeichnet eine Wurzel, einen Ursprung, eine Quelle, auch ein festes Fundament. Radikale sind also Verwurzelte, Gründliche und selbst Gegründete, oft auch Leute, die Probleme an der Wurzel anpacken, weswegen für andere, die ein Problem, wenn überhaupt, lieber nur oberflächlich behandeln, »Radikaler« ein Schimpfwort ist.

Vor ein paar Tagen hatte ich die Strafanzeige einer Berufsgrünen gegen Wilfried Plock und einige christliche Verlage kommentiert und auch die Begleitung des Falles durch den NDR gewürdigt, heute will ich zu dem Thema noch ein paar Gedanken nachtragen.

Durch seinen Rechtsanwalt hat Plock nun den NDR aufgefordert, künftig die Behauptung zu unterlassen, er sei ein radikaler Christ. Ich kann mir nicht helfen: Wenn ich das lese, sehe ich Plock vor mir, wie er vor seinem Schöpfer steht, der gerade sagen will: »Du bist ein guter und treuer Knecht und ein radikaler Christ gewesen, gehe ein in die Freude deines Herrn« und Plock ihm antwortet: Radikaler Christ? Du wirst in dieser Angelegenheit noch Post von meinem Anwalt bekommen!

Rückblick 1. Lesertreffen

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