Trügerische Waagschalen · Teil I

10. März 2013

 

 

 

»Waagschalen des Trugs sind Jahweh ein Greuel, aber ein vollkommener Gewichtsstein findet sein Wohlgefallen.« (Spr. 11, 1)

Diese salomonische Feststellung bezieht sich auf die Aussage in der Torah: »Nicht tut ihr Arg in der Richtigung[G], im (Längen-)Maß, im Gewicht und im Meßgefäß.
Waagschalen der Gerechtigkeit, Gewichtssteine der Gerechtigkeit, Ejphah* der Gerechtigkeit und Hin* der Gerechtigkeit sollt ihr haben. Ich bin Jahweh, euer Elohim, der ich euch herausgehengemacht hat aus dem Erdland Mizrajim.«
(3. M. 19, 35f)

Daß Rechtspflege und Maßhaltigkeit hier in einen Zusammenhang gestellt werden, ist kein Zufall. Recht ist etwas, das vom Gesetzgeber zugemessen und von Richtern abgewogen wird. Rechtssetzungen sind buchstäblich Maß-Stäbe, die an die Handlungen der Menschen angelegt werden. Das Maßhalten ist ein wichtiges Prinzip, das sich durch das biblische Rechtssystem zieht; es wird zum Beispiel sichtbar, wo der Grundsatz »Auge für Auge, Zahn für Zahn« eine maßlose, unverhältnismäßige Rache verbietet, die womöglich als Sühne für den Verlust eines Auges oder eines Zahnes ein Menschenleben gefordert hätte. So ist es naheliegend, daß die Waage in verschiedensten Kulturen und Zeiten als Symbol der Rechtsprechung dient.

Nur mal angenommen, das stimmte …

6. März 2013

 

Die offizielle Statistik für 2012 weist einen Rückgang der Abtreibungen in Deutschland um 1,9 Prozent auf 106.800 aus. Nur mal kurz angenommen — wofür nicht allzuviel spricht — daß diese Statistik stimmte, dann entspräche diese Zahl immer noch der vollständigen Ausrottung von Erlangen. Und von Jena im nächsten Jahr. Und von Fürstenfeldbruck im Jahr darauf. Und dann Trier. Moers. Cottbus. Koblenz. Siegen. Hildesheim. Salzgitter … Jedes Jahr eine Stadt ausgelöscht. Ich hoffe, das macht die drögen Zahlen der Statistik etwas anschaulicher.

 

Abb.: Cottbus. Na gut, sonderlich schön ist es nicht wirklich. Aber deshalb gleich ausrotten? Das wäre doch nun wirklich übertrieben.

 

Kolumne mit Paukenschlag

2. März 2013

 

Kennen Sie die »Symphonie mit dem Paukenschlag«? Hartnäckig hält sich die Legende, Haydn hätte die Komposition bewußt so angelegt, daß die Zuhörer, die im ersten Satz eingeschlafen sind, im zweiten von einem unerwarteten Fortissimo des Orchesters unsanft wieder aufgeweckt würden. Er selbst hat diese Absicht freilich bestritten. Wenn man aber will, kann man einen vergleichbaren Effekt auch ganz ohne Orchester erreichen, zum Beispiel, indem man ihn in einen Text hineinbastelt. Aber ich will der Reihe nach erzählen:

Hüter des Unkrauts

20. Februar 2013

 

Das evangelische Nachrichtenmagazin idea Spektrum äußert sich in letzter Zeit auffallend häufig auffallend freundlich zum Katholizismus und hat es sich auch nicht nehmen lassen, den scheidenden Papst mit »10 großen Worten« aus seiner Amtszeit zu feiern. Unter anderem eines aus dem Jahr 2005:

»An der Kirche kann man sehr viel Kritik üben. Wir wissen es, und der Herr hat es uns gesagt: Sie ist ein Netz mit guten und schlechten Fischen, ein Acker mit Weizen und Unkraut.«

Der Herr hat gesagt? Moment mal, was bitte hat Jesus denn wirklich gesagt?

Geierismen XII: Über gesetzeskonforme Gesetzlosigkeit

16. Februar 2013

 

Die schlimmsten Frevler, die mir begegnen, können sich für ihr Tun auf geltende Gesetze berufen. 

 

  

 

Anorexia nervosa

10. Februar 2013

 

Als erstes Land der Welt hat Israel im Januar gesetzlich verboten, daß Bilder von sogenannten Magermodels veröffentlicht werden. Die Grenze wurde dabei mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 18,5 so angesetzt, daß auch viele gesunde, normalgewichtige Models jetzt praktisch Berufsverbot in Israel haben.

Dem Vernehmen nach wollte die israelische Regierung nicht mehr jedesmal beim Aufschlagen einer Modezeitschrift daran erinnert werden, daß die Silhouette des Landes auch so lebensbedrohlich abgemagert aussieht wie ein anorektisches Model, seit der größte Teil des biblischen Kernlandes durch die Land-für-Frieden-Politik den Arabern überlassen wurde.

 

Vergessenes Lehrstück: Die »Lateinische Münzunion«

9. Februar 2013

 

Aus der Geschichte kann man lernen, daß der Mensch aus der Geschichte nichts lernt. Während viele Europäer heute die Frage nach der künftigen Stabilität des europäischen Währungsverbundes umtreibt, ist beinahe völlig aus dem Blick geraten, daß mit dem Euro ja durchaus nicht die erste neuzeitliche Währungsunion in Europa begründet wurde. Schon ab 1865 hatte es mit der »Union monétaire latine« eine Währungsunion gegeben, die mit Frankreich, Belgien, Italien, der Schweiz und Griechenland einen großen Bereich des europäischen Festlandes vereinigte. Großbritannien und Preußen blieben auf Distanz: Daß hier Länder einerseits in einer Währungsunion zusammenfanden, die andererseits weiterhin durch eigene Zentralbanken die Geldmenge jeweils souverän steuern konnten, war ein gewagtes Konstrukt, dem sie wenig abgewinnen konnten. Trotzdem übernahm nach und nach ein knappes Dutzend weiterer Länder faktisch den Standard der Union, ohne dem Vertrag förmlich beizutreten. Dies war möglich, weil die Währungen der teilnehmenden Länder ihre historischen Bezeichnungen beibehielten; sie waren jedoch durch einen normierten Gold- bzw. Silbergehalt der Münzen wertgleich und damit frei tauschbar. Sogar Belgisch-Kongo war zeitweise offizielles Mitglied.

Erstaunlich ist, daß die Lateinische Münzunion heute so wenig öffentliche Beachtung findet, gibt es bei aller Unterschiedlichkeit doch interessante und lehrreiche Parallelen zur derzeitigen europäischen Währungsgemeinschaft.

Citat des Tages LXVII

31. Januar 2013

 

Liebe ohne Wahrheit kann zu einem satanischen Sentimentalismus werden und Millionen von Menschen zerstören.

John C. Whitcomb

 

 

Zahl des Tages II

29. Januar 2013

  

 

150.000

 

Etwa 150.000 Patienten werden jährlich in Deutschland gegen ihren Willen stationär psychiatrisch behandelt. Der Bundestag hat letzte Woche ein Gesetz beschlossen, das nun auch Zwangsmedikation (wieder) legalisiert. Indikationen für die Zwangsbehandlung wie etwa »mangelnde Krankheitseinsicht« sind aber einigermaßen irrelevant, da die Definition, welche Abweichung von der Bandbreite menschlicher Verschiedenartigkeit überhaupt als krankhaft anzusehen ist, schon im organischen Bereich nicht immer eindeutig ist, im psychischen Bereich aber geradezu zu Willkür und Mißbrauch einlädt.

Neue Broschur verfügbar

27. Januar 2013

 

Da der Artikel »Wolfsblut« mit über achttausend Aufrufen seit drei Jahren recht häufig gelesen wird, wurde es Zeit für eine »analoge« Version auf Papier. Unter dem Titel »… hinter sich selbst her.« ist jetzt eine .pdf-Broschur verfügbar, welche die vier Geiernotizen »Wolfsblut«, »Brot, Wein und Gericht«, »Die Versammlung verlassen« und »An den Flüssen Babylons« beinhaltet. Diese kann heruntergeladen und über das Kontaktformular auch als gedrucktes Heft — gern auch mehrere Exemplare zum gezielten Weitergeben — bestellt werden. Ich rate davon ab, das Heft selbst auszudrucken.

 

Von dem Artikel »Die Versammlung verlassen«, den es vorher schon gedruckt gab, gibt es noch wenige Restexemplare. Hier ist keine Nachauflage geplant, da er ja jetzt im Heft »… hinter sich selbst her.« mit enthalten ist.

 

Wer noch Fehler findet, möge mir das bitte gleich melden, damit ich Datei und spätere Drucke berichtigen kann.

 

Wer Geiernotizen, die bisher nicht gedruckt vorliegen, zum Weitergeben als Druck braucht, schreibe mich bitte an. Auch das aktuelle Heft ist auf Anregung eines Lesers zustandegekommen.

 

Für die Verschriftlichung des Seminars gibt es noch keinen Termin, die Sache ist komplex. Ich hoffe aber, eher fertigzuwerden als der Berliner Flughafen.

 

Demnächst werde ich in der Seitenleiste einen Hinweis auf lieferbare Materialien unterbringen.

 

Rückblick 1. Lesertreffen

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